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Allergien - Entstehung - Symptome... (Gesundheit)

Thema: Information

Allergien sind Überreaktionen der körpereigenen Immunabwehr gegen körperfremde Stoffe (Allergene), wie zum Beispiel Pollen oder Hausstaubmilben. Obwohl diese eigentlich völlig harmlos sind, erkennen die Abwehrkräfte sie als Eindringling und bekämpfen sie, was sich nach Außen in Form von Krankheitssymptomen wie Heuschnupfen, Ausschlägen, und vielen anderen bemerkbar macht. In Deutschland sind Allergien seit Jahren auf dem Vormarsch. Inzwischen leidet jeder dritte erwachsene Bundesbürger an mindestens einer Allergie. Über 20.000 Substanzen wurden bereits als potenziell allergieauslösend identifiziert.


Entstehung von Allergien

Oft reagieren Patienten plötzlich auf Stoffe allergisch, bei denen der Kontakt bis zum Ausbruch der allergischen Reaktion unproblematisch verlief. Die Zeit zwischen Erstkontakt zum Allergen und dem ersten Auftreten von Allergiesymptomen nennt man Sensibilisierungsphase. Diese kann sehr lang sein und sogar mehrere Jahre umfassen. Zum Beispiel bei Nahrungsallergien reagieren Betroffene oft auf Speisen allergisch, die sie zuvor immer vertragen hatten.

Verschiedene Allergie-Typen und ihre Symptome

Es gibt sehr unterschiedliche Allergieformen. Sie werden danach voneinander abgegrenzt, wie und wann die allergische Reaktion eintritt. Mediziner unterscheiden vier Reaktionstypen. Die größte Bedeutung haben aber Typ I und Typ IV.

Typ-I-Allergien

Die Typ-I-Reaktion ist auch als "Reaktion vom Sofort-Typ" bekannt. Dabei bewirken Antikörper vom Typ Immunglobulin E eine Freisetzung des Botenstoffs Histamin und anderer Substanzen, die meist wenige Minuten nach dem Kontakt zum Allergen eine Reaktion hervorrufen.

Typische Typ-I-Allergien sind:

Heuschnupfen
• Allergisches Asthma
• Allergische Bindehautentzündung
• Insektengiftallergien
• Nahrungsmittelallergien
• Anaphylaktischer Schock

Mögliche Allergene sind:

Pollen
• Nahrungsmittel
• Medikamente
• Hausstaubmilben
• Schimmelpilzsporen
• Tierhaare
• Insektengift
• Latex

Typ-IV-Allergien

Bei einer allergischen Reaktion vom Typ IV spricht man auch von einer „Reaktion vom verzögerten Typ". Dabei handelt es sich vor allem um Kontaktallergien, bei denen es für eine allergische Reaktion schon reicht, wenn der Betroffene irgendwie mit dem Allergen in Berührung kommt. Es vergehen zwei bis drei Tage vom Kontakt mit dem auslösenden Stoff bis zum Ausbruch der Allergie.

Allergiesymptom ist hier vor allem das „Allergische Kontaktekzem", das sich als roter, juckender Hautausschlag zeigt, der in einigen Fällen auch nässt oder mit Bläschenbildung einhergeht. Regelmäßiger Kontakt zum Allergen kann darüber hinaus dazu führen, dass die betroffenen Hautpartien schuppig werden und sich verdicken. Es entstehen schmerzhafte Hautrisse. Aktuell sind rund 3000 Stoffe bekannt, die Kontaktallergien auslösen können. Zu den wichtigsten gehören:

Metalle (vor allem Nickel)
• Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten
• Arbeitsstoffe (z.B. Mehlstaub bei Bäckern)
• Gummimaterialien
• Duftstoffe 
• Textil- und Haarfarben

Verbreitung von Allergien

In nahezu allen entwickelten Industrieländern sind Allergien auf dem Vormarsch. Speziell in Deutschland gab es noch zu Zeiten der Wiedervereinigung ein starkes Ost-West-Gefälle. Waren Allergiker in den Neuen Bundesländern damals noch deutlich seltener als im Westen, haben sie inzwischen aufgeholt und Allergien sind dort ebenso verbreitet wie im Westen.

Insgesamt belegt Deutschland, was die Häufigkeit von Allergien angeht, international einen der vordersten Plätze. Das Gesundheitsministerium schätzt, dass etwa jeder dritte Deutsche an mindestens einer Allergie leidet. Dabei kommen folgende Allergien am öftesten vor:

Heuschnupfen (15 % aller Bundesbürger)
• Hausstaubmilben-Allergie (10 %)
• Kontaktallergie (9 %)
• Allergisches Asthma (5,6 %)
• Nahrungsmittelallergie (5,6 %)
• Neurodermitis (3,4 %)
• Tierhaarallergie (3 %)
• Insektengiftallergie (2 %)

Ursachen

Nicht jeder, der mit Allergenen wie Pollen oder Metallen in Berührung kommt entwickelt auch eine entsprechende Allergie. Die Neigung, Allergien zu entwickeln, ist bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Leute mit außergewöhnlich starker Neigung dazu nennt man Atopiker. Oft deutet sich eine ungewöhnliche Atopie-Neigung schon im Kindesalter an. Eine außergewöhnliche Ekzemneigung kann zum Beispiel darauf hindeuten, dass das Kind zu Allergien neigt. Allergiker sind grundsätzlich besonders gefährdet, auch gegen weitere Stoffe Allergien zu entwickeln.

Ursachen von Typ-I-Allergien

Erbanlagen

Die Neigung zu allergischen Reaktionen ist vererbbar. Je mehr direkte Verwandte unter Allergien leiden, desto größer ist das Risiko für ein Kind, selbst auch zum Allergiker zu werden.So liegt das Erkrankungsrisiko für Kinder ohne Allergiker in der Familie bei nur 10 Prozent. Schon wenn nur einer der Geschwister an Allergien leidet, erhöht es sich auf 25 bis 35 Prozent. Ist ein Elternteil allergisch, liegt das Erkrankungsrisiko für eine Allergie bei 20 bis 40 Prozent. Sind beide Eltern Allergiker sind es 40 bis 60 Prozent. Am größten ist das Erkrankungsrisiko für Kinder, wenn beide Eltern die gleiche Allergie haben. Haben beide Eltern zum Beispiel Heuschnupfen, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder darunter leiden werden, bei 50 bis 70 Prozent.

Umweltfaktoren

Noch ist nicht ganz klar, warum und wie genau sich verschiedene Umgebungen auf die Neigung zur Allergieentwicklung auswirken. Fest steht aber, dass unsere Umwelt Auswirkungen hat. So konnten Experten der Salzburger Kinderklinik nachweisen, dass nur drei Prozent der Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, unter Heuschnupfen leiden. Stadtkinder hingegen waren etwa dreimal so oft betroffen. Von allergischem Asthma waren sie sogar viermal öfter betroffen als ihre Pendants vom Land.

Fachleute gehen davon aus, dass eine übersaubere mit antiseptischem Putzmittel gereinigte Umgebung die Atopie-Neigung bei Kindern fördert. Durch Bakterien zum Beispiel im Hausstaub wird das Immunsystem trainiert, Alltags-Keime abzuwehren. Ein unterfordertes Immunsystem hingegen, sucht sich leicht ein neues Betätigungsfeld und zieht dann plötzlich gegen harmlose Stoffe wie Pollen oder Nüsse zu Felde.

Ursachen von Typ-IV-Allergien

Hautbelastende Tätigkeiten

Häufiges Händewaschen und Putztätigkeiten können die Haut durchlässiger machen. Sie verliert dadurch einen Teil ihrer Barrierefunktion, so dass körperfremde Stoffe leichter in den Organismus eindringen können. Bestimmte Berufsgruppen sind deshalb besonders gefährdet, Allergien zu entwickeln. Friseure, Reinigungskräfte, Maurer, Metallarbeiter und Beschäftigte in der Landwirtschaft beziehungsweise im Gesundheitswesen sind hier zu nennen.

Geschwächte Hautbarriere

Von der Allergie unabhängig bestehende Hautkrankheiten wie zum Beispiel eine mit Ekzemen einhergehende Akne machen die Barriere, welche die Haut gegen Stoffe von außen bildet, durchlässig. Mit der Zunahme körperfremder Stoffe, die durch die Haut in den Organismus gelangen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, gegen diese Stoffe eine Allergie zu entwickeln.

Therapie

Allergien sind nicht heilbar. Allerdings lassen sich die Symptome behandeln beziehungsweise das Auftreten einer Symptomatik verhindern. Auch eine Ausbreitung der Allergie auf bislang nicht betroffene Körperregionen kann mit medizinischen Mitteln verhindert werden.

Die bekannteste Behandlungsform ist sicher die Hyposensibilisierung. Dabei wird der Patient in sehr geringen Dosen dem Allergen ausgesetzt, damit sich sein Organismus langsam an den Kontakt gewöhnt und nicht mehr überreagiert. Vor allem bei Pollen- und Insektengiftallergien zeigt die Hyposensibilisierung gute Erfolge.

Grundsätzlich sollte jeder Allergiker möglichst rasch ärztlichen Rat suchen. Besonders gilt dies für Heuschnupfen-Patienten. Bei ihnen besteht sonst die Gefahr eines sogenannten Etagenwechsels. Gemeint ist, dass sich allergische Reaktionen dann irgendwann nicht mehr nur an Mund-, Nasen- und Augenschleimhäuten zeigen, sondern auf die Schleimhäute der Atemwege übergreifen und ein allergisches Asthma verursachen.

Die beste Therapie für Allergiker ist die Vermeidung des Kontakts zum Allergen. Eine solche Vermeidungsstrategie ist allerdings nicht bei jeder Allergie möglich. Funktioniert bei Nahrungsmittelallergien sehr gut, ist sie bei Pollenallergien kaum umsetzbar. Kann der Kontakt zum Allergen nicht vermieden werden, kann lediglich medikamentös gegen die Allergiesymptome wie Schnupfen vorgegangen werden.

Quelle:© 2010 Gesundheitsportal medführer

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Die 9 Jogging-Sünden (Gesundheit)

Thema: Information

Ob man einen Kaltstart oder auch Sprint hinlegt, hier sind die 9 größten Jogging-Sünden:




Sünde 1: Zu schnelles Laufen

Vor allem Anfänger sind sehr ehrgeizig und daher oft zu schnell unterwegs. Anfänger sollten bei jedem vierten, Trainierte bei jedem dritten Schritt atmen. Passen Sie Ihr Tempo diesem Rhythmus an, so übertouren Sie nicht. Die Atmung funktioniert hier wie eine Art Drehzahlbegrenzer.

Sünde 2: Ohne Medizin-Check loslaufen

Wer stark übergewichtig, krank oder älter als 35 ist und nur selten Sport getrieben hat, sollte sich erst von einem Arzt untersuchen lassen. Der sagt Ihnen, wie fit Sie sind und ob Sie joggen dürfen oder besser eine andere Sportart wählen sollten.

Sünde 3: Einen Kaltstart hinlegen

Machen Sie vor dem Joggen ein paar Aufwärmübungen oder gehen Sie erst und steigern langsam das Tempo. Denn wenn Sie direkt losstürmen, können Sie sich die noch kalten Muskeln verletzen.

Sünde 4: Falsches Schuhwerk

Ordentliche Laufschuhe sollten es schon sein. Denn schlechte Schuhe strapazieren Füße und Gelenke. Kaufen Sie Ihre Laufschuhe am besten in einem Sportgeschäft. Dort wird man Sie ausgiebig beraten.

Sünde 5: Am Ende ein Sprint

Die letzten fünf Minuten noch einmal alles geben und dann abrupt aufhören - so fahren Sie Ihren Puls unnötig in die Höhe. Besser ist es, entspannt auszulaufen und danach noch ein paar Dehnübungen zu machen.

Sünde 6: Zu wenig trinken

Beim Laufen schwitzen Sie und verlieren auch wichtige Mineralstoffe. Um dem vorzubeugen, trinken Sie am besten vor dem Laufen ein Glas Mineralwasser. Und auch nach dem Laufen sollten Sie nicht vergessen, die Flüssigkeitsspeicher wieder aufzufüllen

Sünde 7: Am späten Abend joggen

Zwischen Sport und Nachtruhe sollten mindestens zwei Stunden liegen. Denn bei ausgiebiger Bewegung wird der Kreislauf angeregt. Ist die Zeitspanne zu kurz, können Sie nur schlecht einschlafen.

Sünde 8: Als Anfänger in der Gruppe laufen

In Gruppen laufen macht vielleicht mehr Spaß, aber als Anfänger sollten Sie genau hinschauen, mit wem Sie laufen. Wenn Ihre Mitläufer schon gut trainiert sind, laufen Sie Gefahr mithalten zu wollen. Dabei droht Überbelastung. Versuchen Sie in der Anfangszeit, alleine zu trainieren.

Sünde 9: Übertraining

Überfordern Sie ihren Körper nicht, indem Sie beispielsweise täglich mehr als eine Stunde laufen. Für Freizeitsportler reicht es aus pro Woche drei bis vier mal eine Halbe- bis Dreiviertelstunde zu joggen. Ihr Körper braucht schließlich auch Ruhepausen. 

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Laufen lässt uns länger leben (Gesundheit)

Thema: Information

Laufen erhöht die Lebensdauer - wenn man nicht übertreibt.

Wer regelmäßig joggt, kann seine Lebenserwartung erheblich erhöhen: Bei dauerlaufenden Männern steigt sie um 6,2 Jahre, bei Frauen um 5,6 Jahre. Das ergab die Auswertung bislang unveröffentlichter Daten aus der "Copenhagen City Heart Study", die auf dem Präventionskongress EuroPRevent2012 in Dublin vorgestellt wurden. "Wir können jetzt definitiv sagen, dass Joggen die Lebenszeit verlängert", erklärt Peter Schnohr vom Bispebjerg University Hospital, Chefkardiologe der Studie.

Daten seit 1976 gesammelt

Die Herzstudie startete bereits im Jahr 1976 und verfolgt seither den gesundheitlichen Lebensweg von 20.000 Männern und Frauen zwischen 20 und 93 Jahren. In Hinblick auf den Effekt des Joggens wurde die Sterblichkeit von 1.016 männlichen und 762 weiblichen Läufern im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung ausgewertet. Dazu beantworteten alle Teilnehmer Fragen zu ihrem wöchentlichen Laufpensum und ihrer Laufintensität.

Zwei- bis dreimal die Woche laufen ist optimal

Die gute Nachricht ist: Der zeitliche und sportliche Aufwand für den optimalen Effekt hält sich in Grenzen. Die Analyse ergab, dass ein bis zweieinhalb Stunden wöchentliches Laufen, verteilt auf zwei bis drei Einheiten, die Lebenszeit am deutlichsten verlängerte. Auch überanstrengen muss sich niemand: Als besonders gesundheitsfördernd erwies sich ein mittleres Lauftempo. "Man sollte schon ein wenig außer Atem kommen, aber nicht zu sehr", erklärt der Wissenschaftler.

Zu viel sportlicher Ehrgeiz schadet

Für Männer wie Frauen, die ein entsprechendes Laufpensum absolvierten, sank die Sterblichkeitsrate im Vergleich zu Altersgenossen im Schnitt um 44 Prozent. Wer weniger, aber auch wer deutlich mehr joggte, profitierte weniger. "Das ist ähnlich wie mit dem Alkohol: Wer mäßig trinkt lebt länger als Menschen die viel oder gar nicht trinken", so der Kardiologe.

Auch Psyche wird gestärkt

Joggen, so Schnohr, habe viele gesundheitsfördernde Eigenschaften. Es verbessert Sauerstoffaufnahme und Insulinempfindlichkeit, beeinflusst den Fettstoffwechsel positiv und stärkt die Herz-Kreislauf-Funktion. Auch Immunsystem und Knochendichte profitieren, während Entzündungsprozesse im Körper herunter reguliert werden. Hinzu kommt, dass Joggen außerdem die Psyche stabilisiert. So wird durch die Bewegung Stress abgebaut und soziale Kontakte werden gestärkt. (cf)

(Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

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Kuscheltiere: Seelenverwandte aus Plüsch (Gesundheit)

Thema: Information

Fast jedes Kind hat ein Kuscheltier mit Sonderstatus. Es darf jeden Abend mit ins Bett, muss unbedingt mit auf Reisen und zum Arzt. Es kann Helfer und Tröster sein und gerade Kinder, die starke Einschnitte und Krisen erleben müssen, bekommen von ihrem Kuscheltier Hilfe und Halt. Doch eine ausgeprägte Liebe zu Teddy und Co. hängt nicht automatisch mit einem persönlichen Defizit zusammen, da ist sich Mechthild Seithe, Professorin für Sozialpädagogik, sicher.

Das Kuscheltier als Forschungsobjekt

Professor Seithe hat vor rund zwei Jahren ein Forschungsprojekt in die Welt gerufen, das außergewöhnlich ist. Sie und ihre Studenten beschäftigten sich mit Kuscheltieren, deren Funktion in der Kindheit und dem Beziehungsgefüge Kind-Kuscheltier-Eltern. "In meinen Untersuchungen zeigten sich keinerlei Unterschiede bei Kindern aus so genannten vollständigen Familien und Familien mit nur einem Elternteil, bei Kindern mit Geschwistern oder Einzelkindern, bei Kindern mit berufstätigen Müttern oder solchen, die zu Hause sind." Für alle ist das Kuscheltier ein Begleiter in Freud und Leid. "Die Kuschels sind für die Kinder mehr als ein normales Spielzeug: Sie sind Personen mit Namen und Charakter, sie sind Wesen, die fühlen und denken können. Sie sind einerseits Identifikationsobjekte und andererseits Partner. Wo sie sind, ist das Kind sicher und fühlt sich zu Hause."

Kuscheltiere sind die erste selbstgewählte Beziehung

Viele Eltern, das zeigen erste Forschungsergebnisse, empfinden die Kuscheltierbeziehung als hilfreich für die Entwicklung. Schließlich fördert der Umgang mit ihm die Fantasie und auch das Einfühlungsvermögen in andere. Soziales Verhalten wird genauso trainiert wie die Fähigkeit, sich trotz einer Überfülle im Angebot für eine konkrete Beziehung zu entscheiden. "Bei einer kleinen Gruppe ist die Beziehung zu ihrem Lieblingskuscheltier sogar lebenswichtig: Es ist die ganz große Liebe und man hat den Eindruck, dass hier wirklich heftige Gefühle im Spiel sind", erklärt die Professorin. Kein Wunder also, dass Kuscheltiere häufig in den Tagesablauf einer Familie mit einbezogen werden. Und, einmal erwählt, manchmal für Monate, manchmal aber auch ein Leben lang, einen Sonderstatus erhalten und diesen immer noch innehaben, wenn sie bereits total abgegriffen und vielleicht auch kaputt sind. "Kuscheltiere sind meist die erste selbst gewählte und selbst behauptete Beziehung in der Biographie von Kindern. Sie sind oft richtige Persönlichkeiten mit Vorlieben und Eigenschaften. Ihre Individualität ist dem Kind wichtig", so Mechthild Seithe. "Es sind Freunde. Und Freunde schickt man eben nicht weg. Zu ihnen hält man, auch wenn es ihnen schlecht geht."

Eine Runde Wasserkarussell ist manchmal notwendig

Die meisten Lieblingskuscheltiere erwecken bei genauerem Betrachten sofort den Wunsch nach Wasser und Waschmittel. Und darüber nachdenken, was sich alles im Fell eines Wesens befindet, das von A nach Z geschleppt wird, sollte man ebenfalls besser nicht. Aber Kuscheltiere haben auch einen wichtigen Eigengeruch, etwas, das das Kind als heimelig empfindet und das ihm Trost spendet. Doch selbst wenn man auf zu häufiges Waschen zähneknirschend verzichtet, bisweilen ist es doch notwendig. Möglichst bei 60 Grad, damit Keime und Bakterien keine Chance haben. Man sollte dabei aber behutsam vorgehen. "Das Waschen des Kuscheltieres liegt ausschließlich im Interesse der Eltern und wird von Kindern nur mit Vorbehalt toleriert. Sie sitzen besorgt vor den Waschmaschinen und verfolgen dort den Leidensweg ihrer Lieblinge. Und wenn der Teddy dann an den Ohren an der Wäscheleine aufgehängt wird, gibt es heftigen Protest." Die Professorin rät in einem solchen Fall dazu, das Kind in die Waschpläne mit einzubeziehen und mit ihm zusammen einen möglichst schonenden Weg für diesen schwierigen Prozess zu finden. Und manches Kuscheltier fährt sogar ganz gern mal Wasserkarussell.

Den Status eines Lebewesens

Ein Kuscheltier einfach auszutauschen oder sogar wegzuwerfen ist für das Kind ein großer Vertrauensbruch, unter dem es seelisch ziemlich zu leiden hat. Schließlich wird ihm so ein Freund, auf den immer Verlass war und der alle Gefühle geduldig mit einem geteilt hat, entrissen. "Auch wenn Kinder älter sind und natürlich theoretisch wissen, dass ein Kuscheltier nichts ist als ein Stück Fell mit Füllung, auch dann haben sie Hemmungen mit ihm wie mit einer ausgedienten Sache umzugehen. Schließlich ist das Kuscheltier für ein Kind wie ein Lebewesen." Doch die meisten Eltern respektieren das besondere Verhältnis zwischen Kind und Kuscheltier. "Und sie finden sich eher in der Situation wieder, ein verloren gegangenes oder verlegtes Kuscheltier stundenlang zu suchen, heimlich Ersatzexemplare bereit zu halten und weite Wege zurückzulegen, weil das Kuscheltier im Kindergarten oder bei der Oma versehentlich zurückgelassen wurde." Manchmal haben auch die Eltern selbst noch ein eigenes Exemplar aus ihrer Kindheit, das in solchen Fällen vorübergehend "einspringen" kann, um Tränen zu vermeiden.

Beim Kauf auf Qualität achten

Kuscheltiere sind ein beliebtes Mitbringsel und Geschenk. Beim Kauf sollte man aber unbedingt darauf achten, dass es gut verarbeitet ist und möglichst aus einem ökologisch unbedenklichen Material gefertigt wurde. Schlecht verarbeitete Nähte oder leicht zu lösende Kleinteile wie Augen oder Barthaare stellen nämlich eine ziemliche Gefahrenquelle für das Kind dar. Doch leider sind es nicht immer der handgenähte Teddy oder die mit geruchfreiem Ökomaterial gefüllte Katze, die erwählt werden, sondern manchmal auch ein quietschgelbes Etwas vom Jahrmarkt oder ein in unseren Augen hässliches Entlein, das das Kind beim Kindertrödel erstanden hat. "In meinen Untersuchungen wurde immer wieder deutlich, dass Kinder ihre Lieblingskuscheltiere nicht nach Schönheit, Preis oder Marke aussuchen. Selbst noch bei Grundschulkindern zeigte sich, dass das Kuscheltier für ein Kind kein Prestigeobjekt ist, mit dem es angeben kann. Das einzige Kriterium, das immer wieder genannt wird, wenn gefragt wird, warum gerade dieses Kuscheltier der Liebling ist: Es ist weich und anschmiegsam." Und manchmal ist es eben Liebe auf den ersten Blick, da spielt der Rest keine große Rolle mehr. "Die Beziehung zum Kuscheltier scheint weitgehend frei von den Merkmalen unseres antrainierten Konsumverhaltens. Es ist eine echte Beziehung. Vielleicht ist sie deshalb gerade heute so wichtig und vielleicht liegt genau darin auch ihr Reiz."

Kuscheltiere für Jungs gesellschaftlich akzeptiert

Die Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Kuscheltiere für Jungs genauso wichtig sind wie für Mädchen und sie sich auch nicht scheuen, das zuzugeben. "Dem Kuscheltier gegenüber Fürsorge und Zärtlichkeit zu zeigen, scheint auch gesellschaftlich für Jungen erlaubt und respektiert zu sein. Selbst Grundschulkinder hatten keine Hemmungen, sich zu ihren Kuscheltieren zu bekennen und ihre Beziehungen und Gefühle zu ihnen zu outen - auch ihren Klassenkameraden gegenüber nicht. Das hat uns selber überrascht." Ganz anders ist es mit Puppen. Die sind für die meisten Jungs auch heute noch ein Tabu. Die Professorin, die selbst drei inzwischen erwachsene Kinder hat und auf deren Dachboden sich nach eigener Aussage mehrere Säcke mit Kuscheltieren stapeln, sieht im Umgang mit dem Plüschfreund gerade für Jungs große Chancen, zu lernen, fürsorglich und zärtlich mit anderen Wesen umzugehen. "Hier werden die Voraussetzung für die neuen Väter gelegt!"

Übergangsobjekt im Abgrenzungsprozess

Psychologisch gesehen gibt es mehrere Erklärungsansätze, warum Kuscheltiere für Kinder so wichtig sind. Eine Erklärung besteht darin, dass die Schmusetiere meist bereits ab dem Säuglingsalter neben den Kindern liegen und durch den Dauerkontakt einen besonderen Status erhalten. Hierbei sollte man aber, nebenbei gesagt, darauf achten, dass das Kuscheltier nicht zu groß und voluminös ist, damit eine Erstickungsgefahr ausgeschlossen werden kann. Ein weiterer Ansatz: Kinder gehen oft etwa im Alter von zwei Jahren ihre erste feste Kuscheltierbindung ein, also genau in einem Alter, in dem sie einen der großen Abgrenzungs- und Ablöseprozesse von den Eltern durchmachen und zusätzlichen Halt gut gebrauchen können. Das Kuscheltier hat dann die Funktion eines Übergangsobjekts. Und ist dabei zusätzlich ein dankbarer Partner für fiktive Rollenspiele.

Kuscheltier ist nie ein Ersatz für echte Nähe

Kuscheln und Schmusen ist für Kinder und deren Entwicklung, Gesundheit und psychische Stabilität äußerst wichtig. Aber nicht immer hat jemand dafür Zeit. Da kann ein Kuscheltier vorübergehend auch mal ein guter Ersatz sein. Allerdings wirklich nur vorübergehend zum Beispiel als Einschlafhilfe, die Wärme gibt und Ängste nimmt. Das Schmusen mit den Eltern sollte aber darüber nicht vernachlässigt werden - das Kuscheltier ist, auch wenn es eine wichtige Bedeutung für das Kind hat, ein Ersatzobjekt, das möglichst oft durch "echten" Körperkontakt und Nähe ersetzt werden sollte.

Das Kuscheltier ist ein Begleiter in Freud und Leid. (Quelle: imago)


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