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Gesundheit


Die Angst immer dabei - Therapie und Selbsthilfe (Gesundheit)

Information

Angst:
Therapie und Selbsthilfe bei Ängsten

Für Angststörungen und andere psychische Erkrankungen gibt es kombinierte Therapiekonzepte. Bei leichten Ängsten können Entspannungstherapien, Stressabbau und verhaltenstherapeutische Programme helfen, wieder selbstsicherer den Alltag zu bewältigen.

Ob Ihre Ängste Ausdruck einer Angststörung bzw. einer psychischen Problematik sind oder ob eine körperliche Erkrankung dafür verantwortlich ist, wird der Hausarzt in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachärzten klären.

Für manche Betroffene ist es kein leichter Schritt, sich einzugestehen, dass seelische Ungleichgewichte für ihre Beschwerden verantwortlich sein könnten. Zu groß erscheint der private wie gesellschaftliche Druck, stets ein perfektes Lebensbild zu liefern. Sie scheuen sich, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch gerade wer bereit ist, seine Erkrankung anzunehmen und sich die nötige Unterstützung zu holen, zeigt, dass er verantwortungsbewusst mit sich und seinem Leben umgehen kann.


Bestehende körperliche Erkrankungen zeichnen sich immer durch andere Leitsymptome aus. Sie lassen sich mit einer gezielten Diagnose feststellen und dann entsprechend behandeln. Mit der Therapie legen sich meist auch die Angstgefühle (siehe dazu Kapitel „Ursachen: Körperliche Krankheiten“). Bei manchen Krankheitsbildern kann es hilfreich sein, sich zusätzlich unterstützen zu lassen, sei es durch Entspannungstechniken, Stressmanagement oder eine Psychotherapie, um die seelische Belastung etwa durch eine Herz- oder Atemwegserkrankung besser zu meistern.

Liegen die Ängste in tiefen Lebenskrisen, etwa durch eine Krankheit, Trennung oder Trauerphase, kann ebenfalls psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. Ein aktiver Lebensstil mit viel körperlicher Bewegung hilft zusätzlich, Spannungen zu lösen und stärkt eine positive innere Haltung.

Für die Therapie von Angststörungen sowie Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen sind Psychotherapeuten und Psychiater zuständig. Je nach Schweregrad der Erkrankung gibt es unterschiedliche Therapiewege. Bei Angststörungen haben sich verhaltenstherapeutische Konzepte bewährt, manchmal in Verbindung mit Medikamenten (siehe Kapitel „Angststörungen“). Entspannungsverfahren begleiten die Therapien und sind hilfreiche Instrumente, um im Alltag ängstliche Anspannungen abzubauen oder mitunter auch bei Panikattacken gegenzusteuern.


Selbsthilfe

Der erste wesentliche Schritt für jeden von Ängsten Betroffenen ist es, seine Empfindungen ernst zu nehmen, zu erkennen, inwieweit sie seinen Alltag und den seiner Mitmenschen beeinträchtigen, und sich ärztlichen Rat und Hilfe zu holen.

Beziehen sich die Ängste auf eine umschriebene Situation wie Fliegen, Zahnarztbesuche oder Prüfungen, sind verhaltenstherapeutische Programme und Entspannungstechniken angezeigt. Das gilt auch für leichtere Ängste, die sich in häufigem Besorgtsein oder allgemein ängstlicher Grundhaltung äußern können.

Konfliktberatung in Form einer Einzel-, Paar- oder Gruppentherapie kann helfen, zwischenmenschliche Probleme aufzudecken und zu lösen. So ist es möglich, belastende Auseinandersetzungen und Ängste, die sich auf den Partner, die Kinder, Angehörige oder Freunde beziehen, in den Griff zu bekommen.

Entspannungsmethoden sind wichtige Säulen der Angsttherapie. Infrage kommen vor allem die progressive Muskelentspannung, das autogene Training oder Biofeedback. Mit diesem kann der Betroffene bestimmte Körperfunktionen mit Hilfe eines elektronischen Geräts wahrnehmen und dann willentlich beeinflussen, zum Beispiel Muskelverspannungen lockern.

Stressabbau mit gezielten Methoden trägt dazu bei, Überlastungen zu verringern, alltägliche Aufgaben einzuteilen und sicherer zu bewältigen. Dadurch senkt sich häufig auch die ängstliche Dauerspannung. Psychotherapeutische Praxen, Gesundheitszentren oder Volkshochschulen bieten Kurse zum Stressmanagement an.

Ein gesunder Lebensstil fördert grundsätzlich den Heilungsprozess, ob es sich nun um körperliche oder seelische Probleme handelt. Wer lernt, gesund zu genießen, verbessert sein Energiepotential. Wer sich regelmäßig körperlich bewegt, in angepasstem Rahmen Sport treibt, sorgt für eine gute Durchblutung und stärkt die Körperfunktionen. Für die Psyche und gerade auch bei Ängsten und Depressionen ist Bewegung ein positiver Motor, der die Selbstheilungskräfte ankurbelt.

 

Quellen für den Symptome-Beitrag Angst:
Möller/Laux/Deister: Psychiatrie und Psychotherapie, Duale Reihe Thieme, 2009; Classen/Diehl/Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier Urban&Fischer, 2009; Herold: Innere Medizin, 2009; Mumenthaler/Mattle: Neurologie, Thieme 2008; Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.: Behandlungsempfehlungen für Zwangsstörungen, www.zwaenge.de
Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Die Angst immer dabei - Depressionen und andere Ursachen (Gesundheit)

Information

Angst:
Depressionen und andere psychische Ursachen für Angst

Stress und seelische Belastungen fördern Angstgefühle. Ängste können zudem bei fast jedem psychischen Krankheitsbild auftreten. Depressionen und Ängste gehen häufig miteinander einher. Mediziner sprechen dann auch von gemischter Angststörung.

Stress, Burn-out

Stress löst im Körper die gleichen Reaktionen aus wie Angst. Anhaltender Stress erzeugt unter anderem Ängste, vor allem, wenn er mit negativen Gefühlen und Druck verbunden ist. Die ständige Belastung und die Anforderungen können, wenn keine Phasen der Entspannung folgen, zu übersteigerten Angstreaktionen führen, die sich als dauerhaft vorhandene ängstliche Angespanntheit äußern oder in Panikattacken entladen können. Jede neue Aufgabe kann die Betroffenen in Panik versetzen.

Folge einer solchen Dauerspannung ist häufig eine völlige innere Erschöpfung, ein Burn-out-Syndrom. Die Betroffenen fühlen sich körperlich und seelisch „ausgebrannt“, antriebslos und handlungsunfähig. Dazu leiden sie häufig unter Ängsten, Schlaflosigkeit und Herz-Kreislauf-Problemen.

Stressmanagement, gezielte Verhaltensprogramme, Entspannungstechniken und gegebenenfalls unterstützende Psychotherapien helfen von Stressfolgen und Burnout Betroffenen, ihre Energiereserven neu zu füllen, Entspannungsphasen in ihren Alltag einzubauen und zu einem gesunden, ausgewogenen Lebensstil zu finden.


Depressionen

Phobien, Panikstörungen oder generalisierte Angststörungen werden sehr oft, vor allem wenn sie chronisch werden, von Depressionen begleitet. Umgekehrt sind Depressionen häufig die Ursache von Angstgefühlen.

Depressionen zeigen sich in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen. Die Auslöser sind vielfältig, und meistens spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Erbliche Veranlagung, Stress, erhebliche körperliche und seelische Belastungen, Verlusterfahrungen, Alterungsprozesse oder körperliche Krankheiten begünstigen die Entwicklung einer Depression.

Ungleichgewichte im Nervensystem im Gehirn führen zu kennzeichnenden Veränderungen im Verhalten und Denken der Betroffenen. Neben seelischen Symptomen treten bei depressiven Erkrankungen auch körperliche Beschwerden auf. Diese können so ausgeprägt sein, dass sich dahinter die eigentliche seelische Erkrankung verbirgt.

Symptome: Zu den psychischen Anzeichen einer Depression gehören tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Müdigkeit und Antriebsmangel. Viele Betroffene leiden unter Konzentrations- und Leistungsschwäche. Ihr Denken kreist unablässig um dieselben Probleme. Schuldgefühle und Ängste hemmen zusätzlich ihre Handlungsfähigkeit. Andere empfinden eine ständige innere Unruhe, obwohl sie äußerlich wie erstarrt wirken. Häufige Begleiterscheinungen sind Schlafstörungen, vor allem Einschlafstörungen und Erwachen am frühen Morgen mit quälenden Grübeleien.

Der Drang, sich von anderen zurückzuziehen, ist sehr ausgeprägt und verstärkt seinerseits die depressiven Gefühle. Auch rastlose Aktivität, Sport- oder Arbeitssucht können Ausdruck eines zugrunde liegenden Leeregefühls und seelischer Verzweiflung sein. Vielfach wechseln gesunde mit depressiven Phasen ab.

Bei der bipolaren Depression sind die Betroffenen mal niedergeschlagen und antriebslos, dann wieder manisch übersteigert, hochgestimmt und voller Tatendrang, der extreme Formen annehmen kann.

Körperliche Symptome für eine depressive Störung können Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Atembeschwerden, Augenschmerzen, Sehstörungen, Schweißausbrüche, Schwindel- und Gleichgewichtsprobleme sowie Herzjagen oder Herzbeklemmung sein.

Diagnose: Wie bei Angststörungen wenden sich depressiv erkrankte Menschen häufig wegen der körperlichen Symptome an ihren Arzt. Findet der Arzt dafür keine eindeutigen Ursachen, wird er seinen Patienten intensiver befragen. Oft können die Angehörigen aufschlussreiche Hinweise geben oder auch überhaupt erst den Betroffenen dazu ermutigen, einen Arzt aufzusuchen. Gibt es Anzeichen für eine depressive Erkrankung, liegen weitere Diagnoseschritte in der Regel bei einem Psychotherapeuten und einem Psychiater. Diese können anhand gezielter Fragen und Tests Form und Ausmaß der Erkrankung bestimmen.

Therapie: Ein erster wesentlicher Schritt ist, dass der Betroffene seine Depression anerkennt und bereit ist, fachkundige Hilfe anzunehmen. Unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren, vor allem im Rahmen der Verhaltenstherapie oder der sogenannten psychodynamischen Psychotherapie haben sich als sehr erfolgreich erwiesen, je nach Schweregrad und Form der Depression alleine oder in Kombination mit Antidepressiva.

Oft wird ein schwer depressiv Erkrankter auch erst durch den Einsatz von Medikamenten in die Lage versetzt, eine Psychotherapie mitzumachen. Eine medikamentöse Behandlung sollte immer psychotherapeutisch begleitet werden. Die Behandlung schwerer Depressionsformen, vor allem auch wenn Suizidgefahr besteht, lässt sich meist nur in einer psychosomatischen und psychiatrischen Klinik erfolgreich anbahnen. Dort erhält der Patient ein umfassendes Therapieangebot, das ihm ermöglicht, dann auch zu Hause die notwendigen Behandlungsschritte weiterzuführen.

Hier erfahren Sie mehr über Depressionen.


Zwangsstörungen

Eine Sonderform von Angststörungen und Depressionen sind Zwangsstörungen. Dem Krankheitsbild liegen Ängste vor etwas zugrunde, zum Beispiel vor Bakterien oder Ansteckungsgefahr. Das führt zu zwanghaften Handlungen, im genannten Beispiel etwa zu ständigem Händewaschen oder andauerndem Putzen. Bei einem Kontrollzwang prüft der Betroffene beispielsweise unablässig, ob alle Türen geschlossen sind. Andere Formen sind Ordnungs- oder Sammelzwänge.

Zwangserkrankungen treten eher im jugendlichen Erwachsenenalter auf. Experten zufolge haben etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung einmal in ihrem Leben mit krankhaften Zwängen zu tun. Sie führen Zwangshandlungen aus oder werden von Zwangsgedanken bedrängt. Das Alltagsleben wird durch die Störung massiv beeinträchtigt. Oft ziehen sich die Betroffenen von anderen zurück, geraten nicht selten in eine ernsthafte Depression und entwickeln weitere Ängste.

Auch bei Zwangsstörungen sind  die Ursachen noch nicht eindeutig geklärt. Eine genetische Veranlagung, ausgeprägte seelische Belastungen, traumatische Erlebnisse in der Kindheit, Einsamkeit, Ängste können als auslösende Faktoren wirken.

Symptome: Ein starkes Gefühl von Unsicherheit und Zweifeln veranlasst die Betroffenen, beständig dieselben Handlungen auszuführen, die Sicherheit und Schutz erhöhen sollen. Doch der innere Drang und die Ängste werden nur noch stärker, je häufiger der Betroffene sich wäscht, putzt, das Haus kontrolliert, aufräumt und vieles mehr. Oft ist er danach völlig erschöpft.

Der Betroffene kann sich selbst nicht stoppen und auch nicht die zwanghaften Gedanken und Ideen, die er als seine eigenen erkennt, die ihn aber gegen seinen Willen beherrschen. Sie verstärken Ängste und Selbstzweifel immer mehr. So plagt den unter Zwängen Stehenden zum Beispiel unablässig die Vorstellung, bedroht zu werden oder selbst etwas Schlimmes auszuführen. Oder er entwickelt eine wachsende Abscheu vor Schmutz oder Unordnung. Innere Unruhe und Anspannung legen sich nur kurz, wenn die Zwangshandlung ausgeführt wird, kehren aber sofort wieder zurück. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, depressive Verstimmungen sind weitere Begleiterscheinungen.

Diagnose: Treten sich immer wiederholende Zwangshandlungen und Zwangsgedanken täglich auf, und das mehr als zwei Wochen lang, ist das ein Hinweis für den Arzt, dass eine Zwangsstörung vorliegt. Vor allem, wenn der Patient selbst die Zwänge als belastend und sinnlos empfindet und versucht, etwas daran zu ändern, allerdings ohne Erfolg. Eine eingehende körperliche Untersuchung bei einem Facharzt für innere Medizin (Internisten) und einem Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologen) dient dazu, andere Erkrankungen, etwa infektiöse Erkrankungen oder Nervenleiden, auszuschließen. Die weitere Diagnose liegt dann bei einem Psychiater und Psychotherapeuten. Der Facharzt wird die Zwangsstörung von anderen psychischen Erkrankungen, die auch mit Zwangsgedanken verbunden sein können, wie etwa eine Depression, eine Essstörung oder eine Psychose, abgrenzen.

Therapie: Je früher eine Behandlung einsetzt, umso größer sind die Erfolgsaussichten. Bewährt hat sich mit unterschiedlichen Programmen die kognitive Verhaltenstherapie. Eine zusätzlich Behandlung mit Medikamenten, in erster Linie mit Antidepressiva, ziehen die Ärzte meist nur in Betracht, wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind, die Zwangsgedanken überwiegen, zusätzlich eine Depression vorliegt oder die Verhaltenstherapie alleine keine Wirkung zeigt. Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann die Therapie unterstützen und Rückhalt für das Alltagsleben bieten.


Weitere psychische Erkrankungen

Angstgefühle sind ein häufiges Symptom vieler psychischer Erkrankungen. Ängste spielen eine Rolle bei Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Schizophrenien, Psychosen. Jedes Krankheitsbild hat seine kennzeichnenden Symptome, die ein Psychiater genauer einordnen und diagnostizieren kann. Die Behandlung folgt dem jeweiligen Störungsbild, häufig in der Anfangsphase in einer psychiatrischen Klinik.

Die Angst immer dabei (Gesundheit)

Information

Ängste gehören zum Leben. Doch sie können außer Kontrolle geraten und krankhaft werden. Hier finden Sie ausführliche Informationen über die Ursachen von Angststörungen – von Phobie bis Panikattacke – und über geeignete Therapien

 

Angst ist ein urmenschliches Gefühl, das lebensrettend sein kann. Diese grundlegende Emotion hilft uns, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren. Sie mahnt uns zu Vorsicht und erhöhter Aufmerksamkeit. Begründete Furcht verschafft uns die nötigen Energien, um entschlossen zu handeln, Schutzmaßnahmen zu ergreifen oder Herausforderungen anzunehmen und unsere Kräfte zu mobilisieren. Unsere Vorfahren reagierten auf Bedrohungen mit Flucht oder Angriff. Die die Angst begleitenden Körperreaktionen halfen ihnen dabei: Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt rascher, Stresshormone werden ausgeschüttet. Körper und Geist sind hochkonzentriert und leistungsbereit. Nach überstandener Gefahr klingt die Stressphase wieder ab, Entspannung stellt sich ein.

Im modernen Leben sehen wir uns beständig Situationen gegenüber, die Ängste auslösen können: Sorgen um Menschen, die uns lieb sind, um Geld- oder Arbeitsplatzverluste, Krankheiten, spiegelglatte Straßen im Winter, Prüfungen, Gespräche mit Vorgesetzten, Flugreisen, Zahnarzttermine. Manche Situationen werden als Bedrohung erlebt, obwohl von ihnen objektiv keine wesentliche Gefahr ausgeht, wie der Zahnarztbesuch.


Jeder Mensch hat dabei ein unterschiedliches Angstniveau. Das kann von einem mulmigen Gefühl bis hin zu heftigen Angstwellen mit deutlichen körperlichen Beschwerden reichen. Der eine steigt gelassen ins Flugzeug und freut sich sogar, wenn die Maschine in den blauen Himmel abhebt. Der andere übersteht den Flug nur mit Beruhigungstabletten oder vermeidet die Reise über den Wolken nach Möglichkeit ganz. Ähnliches gilt für den Zahnarztbesuch. Inzwischen gibt es Praxen, die sich darauf spezialisiert haben, Menschen mit übersteigerter Furcht vor dem Zahnarzt zu behandeln.

Wo liegt die Grenze zwischen normaler und krankhafter Angst?

Die Angst vor dem Fliegen oder dem Zahnarzt zum Beispiel bezieht sich auf eine konkrete Situation. Sie kann auch Menschen ergreifen, die sonst recht mutig und selbstbewusst durchs Leben gehen. Solche Ängste sind zwar lästig und für manche Lebensbereiche auch überaus hinderlich, aber sie lassen sich mit gezielten Maßnahmen oft recht gut in den Griff bekommen. Sie können aber auch Teil einer tiefer gehenden Angststörung sein.

Andere Angstgefühle sind für die Betroffenen nicht so eindeutig zuzuordnen. Einige reagieren insgesamt ängstlicher auf die unterschiedlichsten Stresssituationen und Herausforderungen. Sie können aber immer noch damit umgehen, sich selbst beruhigen oder Mut machen.

Lebenskrisen und schwere Krankheiten lösen oft berechtigte Ängste aus, die kurzfristig überhand nehmen und den Betroffenen lähmen, dann aber meist zu Bewältigungshandeln führen. Manche Menschen brauchen dazu kurzfristig therapeutische Hilfe, finden aber nach überstandener Krise wieder in ihre ausgeglichene Gefühlslage zurück.

Sobald Ängste jedoch die Gefühlswelt dauerhafter belasten, den Alltag beherrschen und die eigene Handlungsfähigkeit einschränken, ist es Zeit, ihnen auf den Grund zu gehen. Sie können Anzeichen für eine ernsthafte Angststörung oder eine andere psychische Problematik sein. Dabei erfassen krankhafte Ängste auch oft ganz normale Lebenslagen. Sie befähigen nicht zu konzentrierter Aktivität, sondern lähmen und blockieren.

Wie äußern sich krankhafte Ängste?

Panikattacken: Manche Betroffene erleiden regelrechte Angstanfälle. Diese können immer wieder in bestimmten Situationen (Menschenansammlungen, Einladungen), an bestimmten Orten (freie Plätze, Brücken, Aufzüge), bei bestimmten Begegnungen (Spinnen, Hunde) oder aber grundlos, wie aus heiterem Himmel, einsetzen.

Nicht selten stehen dann die körperlichen Beschwerden, die Panikanfälle begleiten, so im Vordergrund, dass die Betroffenen fürchten, ernsthaft erkrankt zu sein. Sie fangen an zu zittern, verspüren Schmerzen und Druck in der Brust, haben starkes Herzklopfen, Atemnot und Schwindelgefühle. Manche Betroffenen hyperventilieren, sie atmen übererregt schnell ein und aus, was zu Krämpfen und Schwindel bis hin zu Ohnmachten führen kann und die Angst noch weiter steigert. Panikanfälle dauern oft nur wenige Minuten, können aber auch Stunden anhalten. Die Beschwerden gehen zurück, sobald die Attacke ihren Höhepunkt erreicht hat und dann allmählich verebbt.

Solche körperlichen Symptome können allerdings auch bei einer akuten Angina pectoris, einem Herzinfarkt oder anderen körperlichen Erkrankungen auftreten (siehe dazu Kapitel „Körperliche Erkrankungen“). Deshalb ist es wichtig, dass zunächst mögliche körperliche Ursachen von einem Arzt abgeklärt werden. Liegen den Ängsten psychische Ursachen zugrunde, erweisen sich dann in der Regel alle Untersuchungsbefunde als normal.

Wer einmal eine heftige Panikattacke erlebt hat, entwickelt oft eine zusätzliche tief sitzende Angst vor einem möglichen neuen Anfall und meidet deshalb Situationen, die der ähnlich sind, in der die Panik aufgetreten ist. Er zieht sich zurück und gerät dadurch häufig immer weiter in einen Teufelskreis der Angst. Die Angst vor der Angst beherrscht sein alltägliches Leben mehr und mehr und führt in einen sozialen Rückzug, der weitere psychische Probleme mit sich bringt (siehe Kapitel „Angststörungen“).

Generalisierte Angst: Andere Ängste machen sich nicht panikartig, sondern eher schleichend bemerkbar, in einem mulmigen Gefühl, wachsender innerer Anspannung und Unruhe. Wer eine solche allgemeine Angst erlebt, verspürt oft einen Druck in der Magengegend und fühlt sich wie gelähmt. Gleichzeitig rasen die Gedanken hin und her, schaukeln sich auf, überlagern sich, so dass es schwer fällt, sie in eine vernünftige Richtung zu lenken.

Solche Zustände kennt jeder Mensch in belastenden Situationen oder Lebensphasen. Bleibt das Angstgefühl in unterschiedlicher Intensität über längere Zeit bestehen, sprechen Mediziner von generalisierter Angst, die meist Ausdruck einer ernsten Angststörung ist, vor allem auch dann, wenn sie zu sozialer Isolierung führt (siehe Kapitel „Angststörungen“).


Welche Ursachen stecken hinter Angstgefühlen?

Es gibt bedrohliche Krankheits-Diagnosen, die nachvollziehbare Ängste auslösen. Krebspatienten und Menschen mit chronischen Erkrankungen sind immer wieder tiefgehenden Ängsten ausgesetzt, mit denen sie zurechtkommen oder sich gezielt auseinandersetzen müssen. Auch Schmerzpatienten kennen die Ängste vor dem nächsten Schmerzanfall. Die ängstliche Erwartung verstärkt häufig noch das Schmerzerleben.

Zu den körperlichen Erkrankungen, die neben den jeweils kennzeichnenden Symptomen auch mit Angstgefühlen einhergehen können, gehören mitunter Herzkrankheiten, Schilddrüsenstörungen, Erkrankungen der Atemwege oder des Nervensystems. Hier bringt eine gründliche ärztliche Untersuchung beim Hausarzt ersten Aufschluss. Er wird je nach Verdacht seinen Patienten an einen entsprechenden Facharzt überweisen.

Einige Medikamente, etwa gegen psychische Störungen (Neuroleptika), gegen die Parkinson-Krankheit, gegen Hirnleistungsstörungen oder bakterielle Infektionen (Antibiotika), können Angstgefühle auslösen oder verstärken. Auch hier ist der Arzt zu fragen (siehe Kapitel „Körperliche Erkrankungen“).

Alkohol und Drogen greifen in den Gehirnstoffwechsel ein und verändern Wahrnehmung, Denken und Psyche. Ängste, Wahnideen oder tiefe Depressionen gehören mit zu den Folgen von Alkoholmissbrauch und Drogensucht. Ebenso können heftige Angstgefühle bei Entzug der Droge auftreten (siehe Kapitel „Körperliche Erkrankungen“). Andererseits führen Angststörungen nicht selten in ein Suchtverhalten.

Hat der Arzt mögliche körperliche Erkrankungen ausgeschlossen, sind die Auslöser für neu aufgetretene, übermäßige Ängste meist psychischer Natur.

Stress, Burnout, starke seelische Belastungen können anhaltende Angstgefühle oder Panikanfälle nach sich ziehen (siehe Kapitel „Weitere psychische Ursachen“).

Die häufigsten Ursachen für ausgeprägte Ängste sind Angststörungen (siehe das nächste Kapitel), Depressionen, Zwangsstörungen oder andere psychische Erkrankungen (siehe Kapitel „Weitere psychische Ursachen). Ein Psychotherapeut und gegebenenfalls ein Psychiater können diese aufdecken und bewältigen helfen.

Einmal dick ist immer dick? (Gesundheit)

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Einmal dick ist immer dick?

Einmal dick ist immer dick? Ist Fettleibigkeit eine chronische Sucht, also eigentlich unheilbar? Aus der Experten-Sprechstunde "Übergewicht und Fettleibigkeit“

Auch wenn man von „Sucht“ nur bei jenen Patienten sprechen kann, die zum Beispiel an unkontrollierten Essattacken leiden, begleitet uns die Gefahr, übergewichtig zu werden, naturgemäß ein Leben lang. Schließlich gilt für jeden Menschen: Wann immer mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden, wird die überschüssige Energie in die Fettdepots wandern.
Bei Menschen, die mit sogenannten Radikalkuren viel Gewicht in sehr kurzer Zeit abgenommen haben, kommt aber noch der berüchtigte Jo-Jo-Effekt hinzu: Beim radikalen Abnehmen gewöhnt sich der Körper relativ rasch daran, mit weniger Nahrung auszukommen und verwertet die geringere Nahrungsmenge eben effizienter. Wird dann wieder mehr – also eigentlich „normal“ – gegessen, behält er dieses, eigentlich für Notzeiten vorgesehene „Sparprogramm“ eine Zeit lang bei. Das führt dazu, dass die Kilos schneller wieder sprießen, als sie dahingeschmolzen sind.
Das ist der Grund, warum die besten Abnehmerfolge mit einem abgestuften Langzeitprogramm zu erzielen sind, bei dem die Nahrungsmenge nur wenig reduziert wird und das Gewicht nur relativ langsam sinkt (in der Regel 500 bis maximal 1000 Gramm pro Woche). Sich dauerhaft und regelmäßig mehr zu bewegen und dadurch mehr Energie zu verbrauchen, ist ein wesentlicher Faktor um abzunehmen und um das neu erreichte, niedrigere Körpergewicht halten zu können. Für den dauerhaften Erfolg ist es sehr empfehlenswert, an einem strukturierten Langzeit-Abnehmprogramm teilzunehmen, bei dem das Abnehmen nach bewährten Vorgaben über längere Zeit fachlich begleitet und unterstützt sowie zur Kontrolle regelmäßig Feedback von außen gegeben wird.

 

Dr. Martin O. Weickert 

 

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Adipositas und Esssucht - Ursachen und Risikofaktoren (Gesundheit)

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Auch wenn die genetische Veranlagung eine große Rolle spielen mag – falsche Ernährung und zu wenig Bewegung sind wesentliche Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas.

 

Energie wird dem Körper durch Nahrung zugeführt. Verbraucht wird Energie durch jegliche Art von Bewegung. Eine hohe Energiezufuhr bei geringem Verbrauch führt dazu, dass überschüssige Energie in Form von Fett im Körper eingelagert wird.

Bei adipösen Menschen können je nach Einzelfall ungünstige genetische Veranlagung, Steuerungsmechanismen im Gehirn, ungesunde Essgewohnheiten, mangelnde körperliche Aktivität sowie psychische Faktoren und Umweltbedingungen in einem komplizierten Zusammenhang stehen. Wesentlich seltener ist die Adipositas Folge anderer Erkrankungen oder wird durch eingenommene Medikamente begünstigt.


Genetische Veranlagung

Gene können bewirken, dass der Energieverbrauch betroffener Menschen verringert wird. Studien weisen in diesem Zusammenhang auch auf ein möglicherweise gesteigertes Hungergefühl hin. Hierbei spielen vermutlich bestimmte Hirnregionen und speziell der Hypothalamus eine Rolle, denn dort befinden sich sowohl das Esszentrum als auch das Sättigungszentrum.



Nach Untersuchungen bei Zwillingen gehen Fachleute davon aus, dass der Körpermasse-Index (BMI) eines Menschen (siehe Kapitel „Was ist Adipositas“) in hohem Maße genetisch bedingt ist. Aus einer Studie an adoptierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist auch bekannt: Der BMI dieser Personen ist wesentlich enger mit dem BMI ihrer biologischen Eltern oder Geschwister assoziiert als mit dem BMI von Adoptiveltern.

Falsche Ernährung

Falsche Ernährung ist nicht ausschließlich eine Folge von Gedankenlosigkeit, fehlendem Gesundheitsbewusstsein oder unzureichender Information. Denn manchmal führen auch persönlicher Stress oder Frustsituationen – etwa nach Trennungen oder durch Nikotinentzug – zu einer Art Hungergefühl. Essen wird dann zur Ersatzbefriedigung, zum Ausgleich nicht erfüllter Bedürfnisse oder verdrängter Gefühle oder zum stummen Protest. Mütter und Väter trösten Kinder mit Essen oder wollen sie damit beruhigen. Leiden Selbstwertgefühl und Eigenwahrnehmung, kann das im Extremfall zu krankhaften Essstörungen führen.


Aber auch moderne Umweltfaktoren wie Zeitdruck oder rasch verfügbares Fastfood begünstigen ungesunde Essgewohnheiten. Wir essen zu hastig leckere, energiedichte Lebensmittel – sprich: Kalorien-Bomben – ohne ein Sättigungsgefühl abzuwarten. Wir trinken zu viele zuckerhaltige Softdrinks. Gerade in einkommensschwachen Haushalten werden weniger Frischgemüse und Obst konsumiert, dafür umso häufiger Konserven und Fertiggerichte mit relativ hohem verstecktem Fettgehalt. Dabei ist Fett der Dickmacher Nummer Eins. Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) essen die Deutschen im Schnitt 80 bis 100 Gramm Fett pro Tag. Experten empfehlen aber nur 60 bis 70 Gramm.

Fehlende Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivität senkt das Risiko für viele Erkrankungen, auch für die Adipositas. Doch immer mehr berufliche Tätigkeiten werden im Sitzen ausgeführt, Treppen mit Hilfe von Aufzügen bewältigt und jede längere Strecke mit dem Auto gefahren, statt vielleicht das Fahrrad zu benutzen. Stundenlanger Fernsehkonsum auf der Couch ersetzt vielerorts eine aktive Freizeitgestaltung.

Der Grundstein für dieses Defizit wird oft schon in der Kindheit gelegt: Es lässt sich ein Zusammenhang herstellen zwischen Bewegungsmangel in jungen Jahren sowie Übergewicht und daraus resultierenden Folgeerkrankungen im weiteren Lebensverlauf.

Erkrankungen

Zu den Erkrankungen, die für die Entstehung einer Adipositas ursächlich sein können zählen zum Beispiel Essstörungen, die zu exzessiven Essanfällen mit einer übermäßigen Energiezufuhr führen können (Bindge-Eating-Disorder).

Selten kann eine Adipositas Folge von Erkrankungen des Hormonsystems sein, wie etwa einer Unterfunktion der Schilddrüse. Als mögliche Ursache wird auch das Cushing-Syndrom genannt, bei dem ein zu hoher Cortisolspiegel im Blut infolge vom Medikamenten oder Überproduktion in den Nebennieren vorliegt.

Medikamente

Es gibt auch Medikamente, die eine Gewichtszunahme begünstigen. Zu einer Adipositas führen diese Mittel jedoch üblicherweise nur, wenn zusätzlich entsprechende weitere Faktoren hinzukommen.

Besteht der Verdacht, dass ein verordnetes Arzneimittel an einer Gewichtszunahme beteiligt ist, bespricht man dies am besten mit dem behandelnden Arzt. Er kann eventuell Alternativen aufzeigen oder zu entsprechenden Gegenmaßnahmen raten.



Adipositas und Esssucht (Gesundheit)

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Bei einem Body-Mass-Index von über 30 wird nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation von Fettleibigkeit (Adipositas) gesprochen.

Was ist Adipositas? 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) nach dem so genannten Körpermasse-Index (Body-Mass-Index = BMI). Der BMI errechnet sich als Quotient aus Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße (kg/m²). Für eine Person mit 175 Zentimetern Körpergröße und 75 kg Gewicht bestimmt sich der BMI also wie folgt: 75 kg : (1,75m)² = 24,5 kg/m². Das entspräche noch dem Normalgewicht, denn es gilt:

BMI unter 18,5 = Untergewicht

BMI zwischen 18,5 und 24,9 = Normalgewicht

BMI zwischen 25 und 29,9 = Übergewicht

BMI ab 30 = Adipositas, Grad I

BMI-Wert ab 35 = Adipositas Grad II  

BMI-Wert ab 40 = extreme Adipositas Grad III

 

Die Adipositas selbst gilt in Deutschland nicht direkt als Erkrankung sondern als körperlicher Zustand oder als eine chronische Gesundheitsstörung. Jedoch gehören die Adipositas und ihre Vorstufe, das Übergewicht, zu den wichtigen Ursachen bedeutsamer Folgeerkrankungen wie etwa Bluthochdruck, Verkalkung der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankung), Zuckerkrankheit vom Typ 2, Krebs sowie verschiedener orthopädischer und psychischer Leiden. Etwa fünf Prozent aller Gesundheitsausgaben in den Industrieländern sind auf die Adipositas und ihrer Folgen zurückzuführen.

Neben dem Ausmaß des Übergewichts (BMI-Wert) bestimmt auch die Fettverteilung im Körper das persönliche Gesundheitsrisiko. Um sie zu ermitteln, eignet sich der Taillenumfang. Übersteigt der Umfang die Werte 102 Zentimetern bei Männern beziehungsweise 88 Zentimeter bei Frauen, wird von einem deutlich erhöhten Risiko für Folgekrankheiten gesprochen.

Die Ursachen für Übergewicht und Adipositas liegen meist in einer Kombination aus genetischer Veranlagung und ungesundem Lebensstil. Adipöse Menschen haben einerseits oft eine zu fett- und insgesamt zu kalorienreiche Ernährung, andererseits kommt häufig Bewegungsmangel hinzu. Auch psychische Faktoren wie Stress oder Frust wirken begünstigend.

Zur Prävention von Übergewicht und Adipositas sind daher Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung sinnvoll.

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Stützstrümpfe gegen Krampfadern (Gesundheit)

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Stützstrümpfe gegen Krampfadern

Mit Kompressionstherapien lassen sich Operationen hinauszögern oder sogar vermeiden.

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Durch Druck von außen verengen sich die geweiteten Venen, sodass die Klappen wieder schließen (siehe Grafik). „Die Kompression ist in allen Stadien von Venenleiden wirksam und unentbehrlich, wenn man eine sofortige Wirkung erzielen will“, betont Professor Michael Jünger, Direktor der Universitätshautklinik Greifswald. „Kompressionsstrümpfe beseitigen zwar keine Krampfadern, normalisieren aber die venöse Durchblutung.“

Auch zur Dauertherapie geeignet
Trotz aller operationstechnischen Fortschritte können Ärzte bei der Behandlung von Venenleiden nicht auf die Kompression verzichten. Nach einem Eingriff müssen die Patienten in der Regel drei bis sechs Wochen lang Kompressionsstrümpfe tragen. „Mit Bewegung und Druck lassen sich Operationen hinauszögern“, sagt Professor Hans-Henning Eckstein, Leiter der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Rechts der Isar in München. „Bei Patienten, die auf Dauer gut damit zurechtkommen, kann man eventuell ganz auf einen Eingriff verzichten.“

Wenn ein Patient wegen einer schweren Herzschwäche nicht zu operieren ist oder ein Eingriff nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann Druck von außen viel ausgleichen. Patienten mit abgeheiltem offenen Bein sind ebenfalls Kandidaten für eine Dauertherapie. „Bei fortgeschrittener Venenschwäche ist zudem das Thromboserisiko leicht erhöht“, sagt Eckstein. „Nach Operationen oder bei längeren Flugreisen beugt die Kompression der Entstehung von Blutgerinnseln vor.“

 

Die Strümpfe gibt es in vier Kompressionsklassen, in verschiedenen Farben und Ausführungen (Strumpfhosen, Waden- und Schenkelstrümpfe). Sie müssen individuell angepasst werden – ein Service, den viele Apotheken anbieten.

Verschluss-Sache

Die Venenklappen funktionieren wie Ventile und verhindern, dass das Blut nach unten zurückfließt. Bei erweiterten Venen schließen die Klappen nicht mehr, das Blut versackt in den Beinen (siehe Grafik)

 

Mit Kompressionsstrumpf:

Durch Druck von außen werden die Venen enger. Die Klappen schließen wieder, und das venöse Blut wird mithilfe der Bein muskeln gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen gepumpt.


Was sind Krampfadern? (Gesundheit)

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Krampfadern auch (Varikose, Varikosis, Varizen) genannt

Krampfadern betreffen vor allem die hautnahen Venen am Bein und ihre Verbindungen nach innen zu den tiefen Venen hin. Die Therapie hängt vom Krampfadertyp ab.

Krampfadern sind dauerhaft erweiterte, unregelmäßig geschlängelte Venen. Sie kommen vor allem an den Beinen vor, mitunter auch im Beckenbereich. Etwa die Hälfte aller Mitteleuropäer im Alter zwischen 25 und 74 Jahren leidet unter den häufig stark hervortretenden Adern, nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen. Auch die „Minimalvariante“, die eigentlich harmlosen Besenreiser – kleinste, erweiterte Hautvenen – empfinden viele Betroffene als kosmetisch störend.

Die Ursachen des Krampfaderleidens sind vielfältig. Als primäre Varikose beruht es in erster Linie auf einer Venenwandschwäche. Viele Menschen haben eine Veranlagung zur Bindegewebs- und Venenschwäche und neigen dann auch zu Krampfadern. Zudem begünstigen Bewegungsmangel, Übergewicht und stehende berufliche Tätigkeit das Venenleiden. Es betrifft deutlich mehr Frauen als Männer. Unter dem hormonellen Einfluss in der Schwangerschaft lockert sich das Muskel- und Bindegewebe. Das gilt auch für die Venen. Je mehr Schwangerschaften, umso ausgeprägter ist die Tendenz, dass die Venen nachgeben. Zudem erschwert in der Schwangerschaft die sich vergrößernde Gebärmutter den Abfluss des Blutes aus den Beinen.

 

Erste Symptome sind schwere, müde oder schmerzende Beine und Schwellneigung, vor allem nach langem Stehen oder Sitzen. Betroffene Frauen leiden kurz vor der Menstruation verstärkt darunter. Abends und bei warmen Temperaturen nehmen die beschwerden zu, bessern sich aber nach Hochlagerung oder Kühlung der Beine. Wadenkrämpfe gehören nicht zu den typischen Beschwerden. Wenn erweiterte Adern sich unter der Haut abzeichnen oder in Form von Schlängelungen und Knoten hervortreten, nimmt das Venenleiden deutlich sichtbare Züge an.

Möglichst schon bei den ersten Anzeichen, die auf ein Venenproblem hinweisen, ist der Rat eines Venenspezialisten (Phlebologen) gefragt. Zum einen bessern meist schon einfache, gezielte Maßnahmen die Beschwerden in den Beinen. Zum anderen helfen rechtzeitige Diagnose und Therapie, ein Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten und Komplikationen zu vermeiden. Neben den mitgeteilten Symptomen und Hinweisen auf eine familiäre Veranlagung zu Krampfadern führen die körperliche Untersuchung und eine Sonografie der Venen auf die Spur (mehr dazu im Kapitel „Früherkennung, Diagnose“).

Krampfadern ziehen mitunter Komplikationen nach sich. So kann sich eine erweiterte Hautvene entzünden. Häufig bildet sich an der entsprechenden Stelle auch ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß verschließt (Varikophlebitis). Das ist sehr schmerzhaft, der entzündete Bereich schwillt an und rötet sich. Außerdem kann sich das Blutgerinnsel bis in die tiefe Venenstrombahn hinein fortsetzen. Dann ist das Risiko von Lungenembolien erhöht. In dem Zusammenhang der Rat, bei ungewöhnlichen Schmerzen oder Schwellungen im Bein sofort ärztlichen Rat einzuholen, bei plötzlicher Atemnot und Brustschmerzen umgehend den Notarzt zu rufen.

Auf Dauer überlastet bei maßgeblicher Varikose das in den oberflächlichen Venen zirkulierende hohe Blutvolumen letztendlich auch die tiefen Venen, was zu chronischen Schwellungen (Ödemen) des Beines führt. Zudem können sich nach langjähriger Krampfaderkrankheit Hautveränderungen und Gewebeschäden bis hin zu Geschwüren entwickeln, mit anderen Worten: ein offenes Bein oder Ulcus cruris. Diese Komplikationen treten häufig in der Knöchelgegend auf.

Jedoch sind Krampfadern und ein offenes Bein manchmal auch Folge einer tiefen Venenthrombose. Darunter versteht man den Verschluss in der tiefen Venenstrombahn durch Blutgerinnsel. Solche Thrombosen treten vor allem an den Bein- und / oder Beckenvenen auf. In diesem Fall spricht der Arzt von einer sekundären Varikose. An den Arm- und Schultervenen kommen Thrombosen seltener vor.

Oft wird gefragt, ob man vorbeugend etwas gegen das Krampfaderleiden tun kann. Die Antwort lautet: bedingt ja. Eine gesunde Lebensweise, Gewichtskontrolle, Ausdauersportarten, Venengymnastik und kalte Unterschenkel- oder Kniegüsse nach Kneipp wirken in dieser Richtung.

Häufig ist bei den Betroffenen aber doch schon eine Therapie nötig. Der Gefäßspezialist kann die Verhältnisse an den Beinvenen und ihre Behandlungsbedürftigkeit überprüfen und geeignete Wege vorschlagen. Infrage kommen konservative und operative Maßnahmen. Ausschlaggebend sind immer die Art der Erkrankung – der Krampfadertyp – und ihre Ausprägung. Zum Einsatz kommen Verfahren wie Kompressionsbehandlung, Verödung, Laser- und Radiowellentherapie oder eine Operation (mehr dazu im Kapitel „Therapie“).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




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