Allergien sind Überreaktionen der körpereigenen Immunabwehr gegen körperfremde Stoffe (Allergene), wie zum Beispiel Pollen oder Hausstaubmilben. Obwohl diese eigentlich völlig harmlos sind, erkennen die Abwehrkräfte sie als Eindringling und bekämpfen sie, was sich nach Außen in Form von Krankheitssymptomen wie Heuschnupfen, Ausschlägen, und vielen anderen bemerkbar macht. In Deutschland sind Allergien seit Jahren auf dem Vormarsch. Inzwischen leidet jeder dritte erwachsene Bundesbürger an mindestens einer Allergie. Über 20.000 Substanzen wurden bereits als potenziell allergieauslösend identifiziert.
Entstehung von Allergien
Oft reagieren Patienten plötzlich auf Stoffe allergisch, bei denen der Kontakt bis zum Ausbruch der allergischen Reaktion unproblematisch verlief. Die Zeit zwischen Erstkontakt zum Allergen und dem ersten Auftreten von Allergiesymptomen nennt man Sensibilisierungsphase. Diese kann sehr lang sein und sogar mehrere Jahre umfassen. Zum Beispiel bei Nahrungsallergien reagieren Betroffene oft auf Speisen allergisch, die sie zuvor immer vertragen hatten.
Verschiedene Allergie-Typen und ihre Symptome
Es gibt sehr unterschiedliche Allergieformen. Sie werden danach voneinander abgegrenzt, wie und wann die allergische Reaktion eintritt. Mediziner unterscheiden vier Reaktionstypen. Die größte Bedeutung haben aber Typ I und Typ IV.
Typ-I-Allergien
Die Typ-I-Reaktion ist auch als "Reaktion vom Sofort-Typ" bekannt. Dabei bewirken Antikörper vom Typ Immunglobulin E eine Freisetzung des Botenstoffs Histamin und anderer Substanzen, die meist wenige Minuten nach dem Kontakt zum Allergen eine Reaktion hervorrufen.
Typische Typ-I-Allergien sind:
• Heuschnupfen
•
Allergisches Asthma
• Allergische Bindehautentzündung
•
Insektengiftallergien
• Nahrungsmittelallergien
•
Anaphylaktischer Schock
Mögliche Allergene sind:
• Pollen
•
Nahrungsmittel
• Medikamente
• Hausstaubmilben
•
Schimmelpilzsporen
• Tierhaare
• Insektengift
• Latex
Typ-IV-Allergien
Bei einer allergischen Reaktion vom Typ IV spricht man auch von einer „Reaktion vom verzögerten Typ". Dabei handelt es sich vor allem um Kontaktallergien, bei denen es für eine allergische Reaktion schon reicht, wenn der Betroffene irgendwie mit dem Allergen in Berührung kommt. Es vergehen zwei bis drei Tage vom Kontakt mit dem auslösenden Stoff bis zum Ausbruch der Allergie.
Allergiesymptom ist hier vor allem das „Allergische Kontaktekzem", das sich als roter, juckender Hautausschlag zeigt, der in einigen Fällen auch nässt oder mit Bläschenbildung einhergeht. Regelmäßiger Kontakt zum Allergen kann darüber hinaus dazu führen, dass die betroffenen Hautpartien schuppig werden und sich verdicken. Es entstehen schmerzhafte Hautrisse. Aktuell sind rund 3000 Stoffe bekannt, die Kontaktallergien auslösen können. Zu den wichtigsten gehören:
• Metalle
(vor allem Nickel)
• Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten
•
Arbeitsstoffe (z.B. Mehlstaub bei Bäckern)
• Gummimaterialien
•
Duftstoffe
• Textil- und Haarfarben
Verbreitung von Allergien
In nahezu allen entwickelten Industrieländern sind Allergien auf dem Vormarsch. Speziell in Deutschland gab es noch zu Zeiten der Wiedervereinigung ein starkes Ost-West-Gefälle. Waren Allergiker in den Neuen Bundesländern damals noch deutlich seltener als im Westen, haben sie inzwischen aufgeholt und Allergien sind dort ebenso verbreitet wie im Westen.
Insgesamt belegt Deutschland, was die Häufigkeit von Allergien angeht, international einen der vordersten Plätze. Das Gesundheitsministerium schätzt, dass etwa jeder dritte Deutsche an mindestens einer Allergie leidet. Dabei kommen folgende Allergien am öftesten vor:
• Heuschnupfen
(15 % aller Bundesbürger)
• Hausstaubmilben-Allergie (10 %)
•
Kontaktallergie (9 %)
• Allergisches Asthma (5,6 %)
•
Nahrungsmittelallergie (5,6 %)
• Neurodermitis (3,4 %)
•
Tierhaarallergie (3 %)
• Insektengiftallergie (2 %)
Ursachen
Nicht jeder, der mit Allergenen wie Pollen oder Metallen in Berührung kommt entwickelt auch eine entsprechende Allergie. Die Neigung, Allergien zu entwickeln, ist bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Leute mit außergewöhnlich starker Neigung dazu nennt man Atopiker. Oft deutet sich eine ungewöhnliche Atopie-Neigung schon im Kindesalter an. Eine außergewöhnliche Ekzemneigung kann zum Beispiel darauf hindeuten, dass das Kind zu Allergien neigt. Allergiker sind grundsätzlich besonders gefährdet, auch gegen weitere Stoffe Allergien zu entwickeln.
Ursachen von Typ-I-Allergien
Erbanlagen
Die Neigung zu allergischen Reaktionen ist vererbbar. Je mehr direkte Verwandte unter Allergien leiden, desto größer ist das Risiko für ein Kind, selbst auch zum Allergiker zu werden.So liegt das Erkrankungsrisiko für Kinder ohne Allergiker in der Familie bei nur 10 Prozent. Schon wenn nur einer der Geschwister an Allergien leidet, erhöht es sich auf 25 bis 35 Prozent. Ist ein Elternteil allergisch, liegt das Erkrankungsrisiko für eine Allergie bei 20 bis 40 Prozent. Sind beide Eltern Allergiker sind es 40 bis 60 Prozent. Am größten ist das Erkrankungsrisiko für Kinder, wenn beide Eltern die gleiche Allergie haben. Haben beide Eltern zum Beispiel Heuschnupfen, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder darunter leiden werden, bei 50 bis 70 Prozent.
Umweltfaktoren
Noch ist nicht ganz klar, warum und wie genau sich verschiedene Umgebungen auf die Neigung zur Allergieentwicklung auswirken. Fest steht aber, dass unsere Umwelt Auswirkungen hat. So konnten Experten der Salzburger Kinderklinik nachweisen, dass nur drei Prozent der Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, unter Heuschnupfen leiden. Stadtkinder hingegen waren etwa dreimal so oft betroffen. Von allergischem Asthma waren sie sogar viermal öfter betroffen als ihre Pendants vom Land.
Fachleute gehen davon aus, dass eine übersaubere mit antiseptischem Putzmittel gereinigte Umgebung die Atopie-Neigung bei Kindern fördert. Durch Bakterien zum Beispiel im Hausstaub wird das Immunsystem trainiert, Alltags-Keime abzuwehren. Ein unterfordertes Immunsystem hingegen, sucht sich leicht ein neues Betätigungsfeld und zieht dann plötzlich gegen harmlose Stoffe wie Pollen oder Nüsse zu Felde.
Ursachen von Typ-IV-Allergien
Hautbelastende Tätigkeiten
Häufiges Händewaschen und Putztätigkeiten können die Haut durchlässiger machen. Sie verliert dadurch einen Teil ihrer Barrierefunktion, so dass körperfremde Stoffe leichter in den Organismus eindringen können. Bestimmte Berufsgruppen sind deshalb besonders gefährdet, Allergien zu entwickeln. Friseure, Reinigungskräfte, Maurer, Metallarbeiter und Beschäftigte in der Landwirtschaft beziehungsweise im Gesundheitswesen sind hier zu nennen.
Geschwächte Hautbarriere
Von der Allergie unabhängig bestehende Hautkrankheiten wie zum Beispiel eine mit Ekzemen einhergehende Akne machen die Barriere, welche die Haut gegen Stoffe von außen bildet, durchlässig. Mit der Zunahme körperfremder Stoffe, die durch die Haut in den Organismus gelangen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, gegen diese Stoffe eine Allergie zu entwickeln.
Therapie
Allergien sind nicht heilbar. Allerdings lassen sich die Symptome behandeln beziehungsweise das Auftreten einer Symptomatik verhindern. Auch eine Ausbreitung der Allergie auf bislang nicht betroffene Körperregionen kann mit medizinischen Mitteln verhindert werden.
Die bekannteste Behandlungsform ist sicher die Hyposensibilisierung. Dabei wird der Patient in sehr geringen Dosen dem Allergen ausgesetzt, damit sich sein Organismus langsam an den Kontakt gewöhnt und nicht mehr überreagiert. Vor allem bei Pollen- und Insektengiftallergien zeigt die Hyposensibilisierung gute Erfolge.
Grundsätzlich sollte jeder Allergiker möglichst rasch ärztlichen Rat suchen. Besonders gilt dies für Heuschnupfen-Patienten. Bei ihnen besteht sonst die Gefahr eines sogenannten Etagenwechsels. Gemeint ist, dass sich allergische Reaktionen dann irgendwann nicht mehr nur an Mund-, Nasen- und Augenschleimhäuten zeigen, sondern auf die Schleimhäute der Atemwege übergreifen und ein allergisches Asthma verursachen.
Die beste Therapie für Allergiker ist die Vermeidung des Kontakts zum Allergen. Eine solche Vermeidungsstrategie ist allerdings nicht bei jeder Allergie möglich. Funktioniert bei Nahrungsmittelallergien sehr gut, ist sie bei Pollenallergien kaum umsetzbar. Kann der Kontakt zum Allergen nicht vermieden werden, kann lediglich medikamentös gegen die Allergiesymptome wie Schnupfen vorgegangen werden.
Quelle:© 2010 Gesundheitsportal medführer