Doch sie können ihren grauen Zellen mit Übungen auf die Sprünge helfen.
"Ich war gestern schon da. Als ich von meinem Nachmittagsschläfchen aufwachte, wusste ich nicht mehr, ob Dienstag oder Mittwoch ist", erzählt Viktoria. Die Seniorin ist weit über 70. Wie die anderen vier Männer und drei Frauen, die am Mittwochvormittag zum Gedächtnistraining im Tageszentrum Ennsleiten des OÖ Hilfswerks in Steyr gekommen sind, gilt auch Viktoria als hochgradig dement.
Zur Anregung des Geistes beginnt die Stunde mit einfachen Bewegungsübungen: Gedächtnistrainerin Karin Kreuzer leitet ihre betagten Schützlinge an, im Sitzen die Schultern bis zum Ohr zu heben, zu rollen und dann die Ohrläppchen mit den Fingern abzutasten. "Das macht unser Hirn munter", erklärt Kreuzer.
Dann bringt sie einen Ball ins Spiel, zunächst geben die alten Menschen diesen in der Runde weiter, was gut funktioniert. "Gar nicht so einfach" finden es dagegen einige Teilnehmer, den Ball hinter dem Kopf weiterzugeben, denn die eine oder andere Schulter will dies nicht mitmachen oder der Ball entgleitet den zittrigen Händen.
Die meisten schaffen es dagegen, den Ball mit der rechten Hand in einen Korb zu werfen. Das ganze mit der linken Hand "ist dagegen nicht ohne", wie ein Herr findet. "Dazu ist im Hirn mehr Vernetzungsarbeit notwendig", erklärt Gedächtnistrainerin Kreuzer.
Beim Gedächtnistraining gehe es gezielt darum, bei Menschen, die in fortgeschrittenem Stadium an Demenz leiden, Wahrnehmung, Merkfähigkeit zu schulen, wie auch die Konzentrationsfähigkeit zu trainieren. Neben der körperlichen Aktivierung stehe im Zentrum, "die kognitiven Gehirnleistungen der alten Menschen zu aktivieren", erklärt Karin Kreuzer.
"Es sind viele Defizite vorhanden, viele von den Teilnehmern heute können sich morgen nicht mehr daran erinnern, dass sie heute hier waren." Beim Gedächtnistraining ginge es darum, den Spagat zwischen "fordern, aber nicht überfordern" zu schaffen.
Nun werden Zettel ausgeteilt, auf denen verschiedene Begriffsgruppen stehen wie "Rose – Sonnenblume - Aster", es gilt nun, den passenden Oberbegriff zu finden und aufzuschreiben. Während andere Teilnehmer sogleich mit zitteriger Hand zu schreiben beginnen, braucht Viktoria etwas länger, um dahinter zu kommen, was gemeint ist.
"Blüht es bei Ihnen im Garten?", versucht Kreuzer sie mit Assoziationen auf die richtige Fährte zu locken. "Ich hab’ viele Blumen in der Wohnung", meint die alte Dame nachdenklich, doch der gesuchte Begriff "Blumen" will und will ihr nicht einfallen. "Dabei war ich einmal Vorzugsschülerin und jetzt tut der Kopf nicht mehr mit", sagt die Frau niedergeschlagen.
Wortfindungsübungen stehen als nächstes auf dem Programm: "Schlau wie ein …Fuchs, Scheu wie ein …Reh, Flink wie ein …Wiesel" – die passenden Tiernamen werden der Gedächtnistrainerin von allen Seiten zugerufen. "Um die räumliche Wahrnehmung zu schulen", sollen die Senioren die Uhrzeit 12.33 Uhr auf ein gezeichnetes Ziffernblatt übertragen: Mit ungelenker Hand machen sich die alten Menschen daran, in einen Kreis den Stunden- und Minutenzeiger einzuzeichnen, für die meisten kein leichtes Unterfangen.
Der Zahn der Zeit hat zwar schon gehörig an der Gedächtnisleistung dieser alten Menschen genagt, das gezielte Training der grauen Zellen kann den geistigen Abbau jedoch verlangsamen und so den Lebensabend für die Betroffenen wie auch deren Angehörige verschönern.
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Spinat und Brokkoli beugen vor
Je älter Menschen werden, um so mehr nimmt die Leistung des Gehirns ab. Schon länger vermuten Forscher, dass bei niedrigen Folsäurewerten die Aminosäure Homocystein im Blut ansteigt und zu sinkender Gehirnleistung führt. Weiters könnte ein erhöhter Homocysteingehalt zu Demenz bzw. zur Alzheimer-Krankheit führen.
Die regelmäßige Einnahme von Folsäure kann bei älteren Menschen die Hirnleistung verbessern, da das Vitamin die Homocysteinkonzentration reduziert, haben niederländische Wissenschaftler der Universität Wageningen herausgefunden.
Die Forscher teilten 818 Männer und Frauen mit erhöhten Homocysteinwerten im Alter von 50 bis 75 Jahren in zwei Gruppen en, wobei die erste Gruppe drei Jahre lang 800 Mikrogramm Folsäure täglich einnahm, während die andere Gruppe ein Placebo bekam.
In der Folsäuregruppe nahm die Vitamin-Konzentration um fast 600 Prozent zu, der Homocystein-Spiegel sank um 26 Prozent. Bei zwei von insgesamt fünf Gedächtnistests schnitten diese Probanden besser ab als jene der Placebogruppe. Ihre Leistungen glichen, was Gedächtnis und Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung betraf, denen von zwei bis fünf Jahre jüngeren Menschen.
Eine zweite Studie von Dr. José A. Luchsinger, Taub Institute for Research of Alzheimer's Disease and the Aging Brain, hat nun den Einfluss der Ernährung, besonders verschiedener Substanzen wie Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12, auf das Alzheimer-Risiko unter die Lupe genommen.
965 Studienteilnehmer aus New York im Alter über 65 Jahre nahmen gaben zunächst per Fragebogen Auskunft über ihre Essgewohnheiten. Bei niemandem lag zu diesem Zeitpunkt eine Demenz vor. Während des Nachbeobachtungszeitraums von 5.902 Personenjahren erkrankten 192 Personen an Alzheimer.
Ein Vergleich dieser Fälle mit den Nahrungsgewohnheiten ergab: je höher die tägliche Folsäureaufnahme, desto geringer das Alzheimer-Risiko. Wer täglich mehr als 487,8 Mikrogramm Folsäure zu sich nimmt, halbiert auf diese Weise sein Alzheimer-Risiko. Für die Vitamine B6 und B12 war dagegen kein Einfluss auf das Alzheimer-Risiko nachweisbar.
Sowohl die Deutsche auch die Österreichische Gesellschaft für Ernährung beklagen, dass wir zu wenig Folsäure über die Nahrung aufnehmen. Empfohlen wird eine Tagesdosis von 400 Mikrogramm. Vollkornprodukte, Leber und Gemüse wie Spinat und Broccoli enthalten dieses Vitamin aus dem B-Komplex.(Ärtliche Praxis/red.)